Was sind Probiotika?

TIPP: In der BDI aktuell Nr. 4/ April 2010 finden Sie einen Artikel zu Probiotika aus ärztlicher Sicht. Der Link führt sie zu einer pdf - auf Seite 10 finden Sie den Artikel "Probiotika - aktueller Stand".

TIPP: Ein weiterer interessanter Bericht wurde am 10.11.2010 auf www.aerzteblatt.de veröffentlicht. Er trägt den Titel "Probiotika verkürzen Diarröh" - HIER können Sie ihn selbst lesen.

Probiotika

Definition:

Probiotika (griech: pro bios = für das Leben) sind definierte lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und hierbei positive gesundheitliche Wirkungen erzielen.

 

Herkunft der probiotischen Keime:

Die als Probiotika verwendeten Kulturen sind (...) isolierte Bestandteile der natürlichen Mikroflora des Darms. Vornehmlich Milchsäurebakterien wie Laktobazillen (z.B. Lactobacillus casei, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus salivarius, Lactococcus lactis), Bifidobakterien (z.B. Bifidobacterium lactis) sowie Streptokokken (Streptococcus faecium), werden als Probiotika eingesetzt.

 

 

Grundlegende Anforderungen an probiotische Mikroorganismen in Lebensmitteln:

- Die probiotischen Eigenschaften müssen im Prozess der Nahrungsmittelherstellung erhalten bleiben.

- Die probiotischen Kulturen müssen während der Lagerung im Produkt überleben. Sie dürfen keinen negativen sensorischen Einfluss haben.

- Nach oraler Aufnahme müssen diese Bakterien in möglichst hoher Zahl lebend den Dickdarm erreichen. Als Probiotika kommen deshalb nur Bakterien mit erheblicher Resistenz gegenüber Magensäure, Gallensäure und Verdauungsenzymen in Betracht.

  Diese Resistenz kann z.B. durch eine schützende Matrix gefördert werden.

- Probiotische Bakterien müssen im Gastrointestinaltrakt metabolisch aktiv und lebensfähig sein.

- Die als Probiotika eingesetzten Mikroorganismen müssen zur Adhäsion (Verwachsung) an menschliche Darmepithelzellen fähig sein.

- Für eine Ansiedlung im Darm ist auch die Anzahl der supplementierten probiotischen Bakterien ausschlaggebend. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine hohe Effizienz bei täglicher Zufuhr von 1x108  bis 1x109  gegeben ist. Zusätzliche Verabreichung unverdaulicher Kohlenhydrate (Prebiotika) kann die Ansiedlung bestimmter,  für das Darmmilieu positiv wirkender, Darmbakterien begünstigen.

- Die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Kolonialisierung probiotischer Bakterien im Darm ist an eine permanente orale Zufuhr dieser Mikroorganismen geknüpft. Wird eine Supplementierung probiotischer Bakterien unterbrochen, so reduziert sich auch deren Anzahl in den Faezes

 

Bedeutung probiotischer Bakterien für den menschlichen Organismus:

Neuere Untersuchungen beschäftigen sich immer häufiger mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Probiotika. Zahlreiche Gesundheitseffekte gelten als gesichert, für einige andere existieren Hinweise, die noch abschließend beurteilt werden müssen.

 

 

Schutz vor pathogenen Mikroorganismen:

Probiotische Bakterien können eine Fremdbesiedlung des Darms mit pathogenen Bakterien durch direkte antimikrobielle Wirkung verhindern bzw. reduzieren. Dies ist für die menschliche Gesundheit von besonderem Nutzen bei starken Belastungen wie Allergien, Antibiotikaeinnahme, begleitenden Maßnahmen zur Krebstherapie (Strahlen- und Chemotherapie) oder Gastroenteritiden, die das Gleichgewicht innerhalb der verschiedenen bakteriellen Spezies stören können und dadurch eine Kolonisation mit Fremdkeimen begünstigen.

 

Antagonistische Mechanismen probiotischer Mikroorganismen:

- Konkurrenz mit pathogenen Keimen um Epithelkontaktstellen sowie um Substrate bzw. Nährstoffe im Dickdarm

- Produktion und Freisetzung bakteriozid bzw. bakteriostatisch wirkender Substanzen: z.B. kurzkettige organische Säuren (wie Propionsäure, Essigsäure, Buttersäure und  Milchsäure), die das Wachstum zahlreicher Krankheitserreger unterdrücken.

Einige probiotische Mikroorganismen fördern Dekonjugation von konjugierten Gallensäuren; freie Gallensäuren wirken ebenfalls antimikrobiell. Auch durch die Produktion von Bakteriozinen (spezifisch wirkender Proteine oder Peptide) können probiotische Bakterien antimikrobiell wirken, wobei sich diese Substanzen meist gegen verwandte  Arten oder Stämme richten. So bildet z.B. der Laktobazillusstamm Lactobacillus acidopilus u. a. die Bakteriozine Lactocidin und Bacteriocin

 

- Veränderung der Milieubedingungen im Dickdarm (pH-Wert, Redoxpotenzial):

Bereits eine pH-Wert-Änderung kann eine Inhibierung vieler pathogener Bakterien bewirken. So wurde z.B. der inhibitorische Effekt von humanen Bifidobacterium-Stämmen gegenüber pathogenen E.-coli-Keimen eher auf die PH-Wert-Senkung durch Bildung von Essig- und Milchsäure zurückgeführt als auf die Bildung anderer undefinierter inhibitiorischer Substanzen.

 

 Stoffwechselleistungen von Probiotika:

- Die Darmbakterien weisen enorme Stoffwechselleistungen auf. Probiotische Bakterien sind in der Lage, Enzymaktivitäten der Darmflora zu beeinflussen. So konnte z.B. in einer Reihe von Studien gezeigt werden, dass eine regelmäßige Einnahme von Probiotika die Aktivität karzinomfördernder bakteriell synthetisierter Enzyme reduzieren kann.

- Außerdem können probiotische Bakterien durch Ansäuerung des Darmmilieus die Löslichkeit und damit die Resorption von Mikronährstoffen verbessern

- Darüber hinaus sind probiotische Mikroorganismen in der Lage, Vitamine zu bilden (Thiamin, Riboflavin, Vitamin B12, Vitamin K, Folsäure)